Artist Statement

Meine künstlerische Praxis erforscht Sanftheit als radikale Form der Wahrnehmung.
Wir begegnen Bildern meist über kulturelle Codes: Farbe, Form und Ästhetik werden innerhalb von Sekunden eingeordnet und bewertet. Meine Arbeiten setzen genau an diesem Moment an. Sie versuchen, diese automatischen Lesarten kurz zu unterbrechen und Räume zu öffnen, in denen Wahrnehmung langsamer wird und sich vom reinen Sehen hin zu einer körperlichen, sensorischen Erfahrung verschiebt.
Ich arbeite überwiegend mit meinen Händen direkt auf ungrundierter Baumwolle. Pigment, Wasser und Stoff treten dabei in unmittelbaren Kontakt. In einem langsamen, schichtweisen Prozess entstehen bis zu dreißig transluzente Farbschichten, die sich in das Gewebe einschreiben und eine physisch wahrnehmbare Tiefe erzeugen.
Auf den ersten Blick erscheinen die Arbeiten weich, ruhig und fragil. Doch genau diese Sanftheit ist bewusst gesetzt. Sie stellt kulturelle Vorstellungen von Stärke infrage, die häufig mit Härte, Lautstärke oder Kontrolle verbunden werden. In diesem Sinne wird Sanftheit zu einer Form stiller Rebellion – einer Einladung, Wahrnehmung neu zu verhandeln.
Meine Gemälde sind daher keine Darstellungen im klassischen Sinne. Sie sind sinnliche Vorschläge: Räume, in denen Wahrnehmung wieder unmittelbarer werden kann und Betrachtende eingeladen sind, ihre eigenen Empfindungen jenseits vorgeprägter Deutungen zu erkunden.